Württemberger Lemberger überzeugen

18. Januar 2017

Gut fünf Jahre Zeit hatten die Lemberger, bevor acht Verkoster sich ihrer so final wie respektvoll annahmen. Die rote württembergische Renommierrebsorte hat einiges zu bieten, wie man auch außerhalb der Region weiß. Innerhalb dieser sucht man natürlich erst recht sich immer wieder gern davon zu überzeugen. So geschehen mit dieser blind verkosteten Auswahl, die nach dem Aufdecken für einige Überraschungen sorgte. Meistens lagen die Meinungen nicht weit auseinander, es gab aber auch deutliche Unterschiede, deshalb finden sich neben den eigenen Punkten auch die Durchschnittsbewertungen aller Tester in Klammern wieder.

Weingut Heid, Fellbacher Lämmler Lemberger *** 2011
Teer, Pflaumenmus, Kakao, buttrig, frisch, gute Länge, 91 Punkte (90,5)

Fellbacher Weingärtner, Fellbacher Lämmler Lemberger >P< GG 2011
Röstaromen, kräftige Brombeernote, merkliches, aber ausbalanciertes Holz, etwas Leder, weich, schlank und frisch, 89 Punkte (88,6)

Karl Haidle, Stettener Mönchberg Lemberger GG 2011
blaubeerig, leichte Rosennote, festes Säuregerüst, gute Balance, eher leichtgewichtig, 89 Punkte (89,4)

Bernhard Ellwanger, Großheppacher Wanne, Lemberger SL 2011
kräftig purpurfarben, etwas tannennadelig, dicht und fest gewirkt, fast abweisend, gute Länge, 90 Punkte (89,4)

Weingärtner Bad Cannstatt, Cannstatter Zuckerle, Lemberger *** 2011
kraftvoll, würzig, beerig, etwas Pfeffer und grüner Paprika, 92 Punkte (87,5)

Staatsweingut Weinsberg, Lemberger Hades 2011
beerig und würzig, etwas Cassis und Lakritz, kräftige Säure, nicht ganz harmonisch, 86 Punkte (85,9)

Weingärtner Stromberg-Zabergäu, Lemberger Signum I 2011
etwas Teer, Holunder, frischer Pfeffer, Wacholder, buttrig, frische Säure, 93 Punkte (91,8)

Auf Barolo ist Verlass

30. Dezember 2016

Ein letztes Highlight vor Silvester versprach eine exklusive Verkostung von Barolos aus dem letzten bzw. vorletzten Jahrzehnt. Eine Probe auf einem durchgängig exzellenten Niveau:

E. Pira e Figli, Barolo Cannubi 2003
morbide Eleganz, blutig unterlegt, Karamell, kräutrig, reif, straighter Abgang, 95 Punkte

Elio Altare, Barolo Vigneto Arborina 2003
Mandel- und Kirschnoten, etwas Sanddorn und Zedernholz, geschmeidig, leichte Animalik, merklicher Alkohol, feine nachhaltige Säure, 93 Punkte

Elio Grasso, Barolo Gavarini Chiniera 2003
maskulin, Lakritz, etwas Wacholder, kräutrig, grüner Pfeffer, frisch, fordernd bis in den Abgang, 94 Punkte

Parusso, Barolo Bussia Riserva 1999
am Anfang viel Frucht, v.a. Heidelbeere und Kirsche, buttrig unterlegt, dann treten feine Pfeffer-, Eukalyptus-  und Kräuternoten in den Vordergrund, geschliffene Tannine, hervorragende Länge, 96 Punkte

 

Rioja 1994 – ein Qualitätsversprechen auf dem Prüfstand

18. Dezember 2016

Was andere Weinbauregionen schon vorgemacht hatten, begann Anfang der 90er Jahre auch in der Rioja – eine Entwicklung hin zu mehr Weinqualität. Die altehrwürdigen Rioja-Weine sollten ihr altes Ansehen wieder erlangen und dafür wurde viel gearbeitet. Neue Cuvées wurden geschaffen und neues Holz ersetzte viel zu lange gebrauchte Eichenfässer. Die Qualitätsoffensive und die idealen Bedingungen in 1994 versprachen einen großen Jahrgang für Weine, die teilweise als “Erstlingswerk” produziert wurden. Wie sich diese 22 Jahre später darstellen, zeigte eine kleine, exklusive Verkostung von Tempranillo dominierten Top-Weinen:

Marques de Cáceres / Unión Viti-Vinicola, Reserva “Gaudium” 1994
Schoko, Feige, Pflaumenkompott, ein Hauch Liebstöckel, schon recht reif, aber noch nicht gezehrt, 91 Punkte

Bodegas Muga, Reserva “Torre Muga” 1994
Blaubeere, Süßkirsche, blutig, etwas animalisch, tannennadelig, etwas Lakritz, große Länge 95 Punkte

Bodegas Roda, Reserva “Roda I” 1994
Graphit, Anklänge an Pflaume, Holunder, Lakritz, kühle Eleganz, mineralisch wirkend, dicht und lang, 95 Punkte

Artadi / Cosecheros Alaveses, Reserva “Grandes Anades” 1994
Nelke, etwas Wacholder und Pflaume, mächtig, ein rauer, kraftvoller Geselle mit weiterem Potenzial, 94 Punkte

Bodegas Reserva Fernando Remírez de Ganuza, “Remírez de Ganuza” 1994
buttrig, kräftiges Holz, sehr feine Pflaume, mit kräftiger Säure, 92 Punkte

Den Abschluss versüßte ein deutscher Riesling aus dem selben Jahrgang:

Querbach, Rheingau, Riesling Spätlese Östricher Dosberg 1994
weißfruchtig, Weinbergpfirsich, etwas Ananas, vornehm-elegant, druckvoll und lang, 94 Punkte