Merlot nach 20 Jahren

14. Januar 2018

Aus der ganzen Welt stammten die Merlots aus dem Jahrgang 1997, die kürzlich auf der Tagesordnung standen. Die 20 Jahre auf dem Buckel steckten sie alle problemlos weg:

Casa Lapostolle, Merlot “Cuvée Alexandre”, Chile, 1997
etwas Kirsche und Schokolade, dann mit dezenter Liebstöckelnote. Eleganter Wein mit seidigen Tanninen und feinem Schmelz, auf dem Höhepunkt, 92 Punkte

Casa Emma, “Soloìo”, Toskana, 1997
reife Nase, Josta- und Holundermarmelade, Lakritz, balsamisch, kräftige Säure, etwas wild zum Ende, 90 Punkte

Canoe Ridge Vineyard, Merlot, Washington, 1997
schwarze, konzentrierte Frucht, Lakritz, Minze, mediterrane Kräuter, leichte Milchsäureanmutung, in 2. Hälfte eher dünn, 90 Punkte

Thelema Mountain Vineyards, Merlot, Südafrika, 1997
fordernde Nase: erst gemüsig, kalkig, dann blutig; stahlig, viel Zwetschge und grüne Paprika. Etwas bissig im Abgang, aber charaktervoll, 91 Punkte

Shafer Vineyards, Merlot, Kalifornien, 1997
kräutrig-buttrig, Kamille, etwas Teer, mit leichter Schärfe, dennoch gut ausbalanciert, 91 Punkte

Newton Vineyards, Merlot “unfiltered”, Kalifornien, 1997
dunkelbeerig, würzig, dicht, warme und mollige Anmutung, feine, minzige Frische, gute Länge, 94 Punkte

Sonstiges,
o.W.


Von Avignonesi bis Rampolla – die gehobenen Schätze der Toskana

26. Dezember 2017

Geduld ist eine Tugend. Wer warten kann, bis die richtige Zeit gekommen ist, wird oft mit dem bestmöglichen Erlebnis belohnt. Doch wann genau ist es soweit und ab wann ist es schon zu spät? Beim Wein geht man bei dieser Frage üblicherweise von Erfahrungen aus, die aber hin und wieder auch zu Überraschungen führen: Der eine Wein wirkt nach 20 Jahren fast noch jugendlich verschlossen, der andere von seiner fortgeschrittenen Reife schon gezeichnet. Bei dieser Probe toskanischer Spitzenweine war die Hoffnung allerdings groß, genau das richtige Zeitfenster für alle gefunden zu haben:

Avignonesi, Desiderio (Merlot) 1998
warme Noten, etwas Leeer und mediterrane Kräuter, weich, füllig, gut strukturiert, angenehm mürbe, 92 Punkte

Felsina, Fontalloro (Sangiovese) 1999
reife Nase, blutig, erst kirschig, dann Karamell, seidiges Tannin, kräftige Säure, die den Abgang dominiert, 90 Punkte

Castello dei Rampolla, Sammarco (Cabernet Sauvignon, Sangiovese) 1998
würzig, Lakritz, etwas Holunder, Leder, Vanille, druckvoll, 94 Punkte

Agricola Querciabella, Camartina (Sangiovese, Cabernet Sauvignon) 1997
grüner Paprika, Graphit, etwas Eukalyptus und Tabak, sehr würzig, kraftvoll und rund, viel Tiefe, Frische und Länge, 97 Punkte

Frescobaldi, Castelgiocondo, Lamaione (Merlot) 1997
blutig, schöne Kräuterwürze, Teer, samtig, warm und druckvoll, große Länge, 96 Punkte

 

Süßes zum Winteranfang

2. Dezember 2017

Mit alkoholarmen fruchtigen Spät- und Auslesen vom Riesling mit einem oft ausgeprägten Süße-Säure-Spiel, haben die deutschen Winzer quasi ein Alleinstellungsmerkmal in der internationalen Weinwelt. Viele dieser Schätzchen sind immer noch erstaunlich günstig zu bekommen. Hier einige Auslesen unterschiedlicher Jahrgänge:

Juliusspital, Main, Iphöfer Julius-Echter Berg Riesling Auslese 2008
bernsteinfarben, getrocknete Aprikose, Botrytisnote, ölig, erinnert an BA, 88 Punkte

Willi Schäfer, Mosel, Graacher Domprobst Riesling Goldkapsel Auslese 2009
typische Rieslingaromatik: Pfirsich, Birne, auch etwas weißer Flieder, schöne Fülle, 90 Punkte

Schloss Lieser, Mosel, Lieser Niederberg Helden Riesling Auslese Goldkapsel 2009
hellfarbig, Apfelton, sehr dezente Schieferaromatik, etwas Minze, weiß- und gelbfruchtig, ganz wenig Cassis, nachdrücklich, schlank und ausgewogen, 91 Punkte

Keller, Rheinhessen, Dalsheimer Hubacker Riesling Auslese*** 2001
cognacfarben, braune Butter und Orangenschale, Waldboden, Preiselbeere, mit schöner Frische bis in den sehr langen Nachhall, 96 Punkte

Joh. Jos. Prüm, Mosel, Riesling Wehlener Sonnenuhr Goldkapsel 2009
opulente Aromatik, Bratbirne, weißer Pfirsich, ein Hauch Grapefuit, etwas Exotik, reichhaltig, aber schlank, lang, 94 Punkte